Was sind die Vorteile und Nachteile von Kunstrasen?
Kunstrasen spart Mähen, Wässern und Düngen und bleibt das ganze Jahr grün und begehbar. Dafür wird er in direkter Sonne deutlich heißer als Naturrasen, bietet keinen Lebensraum für Bodenleben und muss am Ende als Kunststoff entsorgt werden.
Diese Seite stellt beides nebeneinander. Ob Kunstrasen oder Naturrasen in Ihrer Situation besser passt, steht auf Kunstrasen oder echter Rasen.
Die Vorteile
Kein Unterhalt im klassischen Sinn. Kein Mähen, kein Wässern, kein Düngen, kein Vertikutieren, keine Nachsaat. Zum Vergleich: Für einen Naturrasen von 100 m² gelten als Faustregel 15 bis 20 Liter Wasser pro m² und Woche, über eine Sommersaison grob 30.000 bis 40.000 Liter, dazu 15 bis 25 Mähgänge.
Ganzjährig begehbar. Nach Regen ist die Fläche in Minuten wieder nutzbar statt matschig. Bei unseren Qualitäten laufen 60 Liter pro Minute und m² durch den Rasen.
Funktioniert im Schatten. Unter Bäumen und an Nordseiten bleibt Naturrasen kahl, egal wie oft nachgesät wird. Kunstrasen ist dort die einzige Lösung, die dauerhaft grün bleibt.
Keine kahlen Stellen und keine Urinflecken. Der Grund, warum Kunstrasen bei Hundehaltung so oft gewählt wird. Mehr dazu auf Ist Kunstrasen für Hunde geeignet?.
Kein Rasenschnitt, kein Dünger, keine Pestizide. Was nicht wächst, muss nicht behandelt werden.
Planbar. Eine Fläche, die im Juli genauso aussieht wie im April: für Vorgärten, Ferienhäuser und Zweitwohnsitze oft das entscheidende Argument.
Die Nachteile
Er wird in der Sonne heiß. Kunststoff kühlt sich nicht durch Verdunstung. In Feldmessungen wurden auf herkömmlichem Kunstrasen bei direkter Sonne über 60 °C an der Oberfläche gemessen, während Naturrasen daneben bei rund 35 °C blieb. Wie stark es im Einzelfall wird, hängt von Farbe, Florhöhe und Wetter ab. Kurzes Abspritzen kühlt sofort, Schatten löst es dauerhaft. Bei einer Fläche, auf der Kinder barfuß laufen oder ein Hund liegt, sollten Sie das einplanen. Ausführlich auf Wird Kunstrasen in der Sonne heiß?.
Er ist kein Lebensraum. Unter einer Kunstrasenfläche lebt nichts. Wo vorher Regenwürmer, Insekten und Bodenleben waren, ist danach Schotter unter Kunststoff. Das ist kein Detail, sondern der gravierendste Unterschied zu einer Wiese, und der Grund, warum wir bei größeren Gärten fast immer zu einer Teilfläche raten statt zur vollständigen Umstellung.
Die Anschaffung kostet mehr. Kunstrasen kostet bei uns zwischen 18,95 € und 47,95 € pro m², dazu kommt der Unterbau. Saatgut für dieselbe Fläche liegt weit darunter. Der Vorteil liegt im laufenden Unterhalt, nicht im Kaufpreis.
Schäden sind nicht reparabel. Brandstellen durch Grillkohle, Feuerschale oder Zigaretten sind endgültig: Kunststoff schmilzt. Ausgerissene Halme wachsen nicht nach. Beides lässt sich nur beheben, indem ein Stück herausgeschnitten und ersetzt wird, und dann sollte es aus derselben Rolle stammen.
Er versickert anders. Ein Schotteraufbau lässt Wasser durch, ein gewachsener Boden nimmt es auf und gibt es verzögert ab. Auf großen Flächen ist das ein Unterschied, den man beim Regenwassermanagement mitdenken sollte.
Am Ende bleibt Kunststoff übrig. Nach zehn bis fünfzehn Jahren muss die Fläche entsorgt werden. Was das bedeutet, steht weiter unten.
Mikroplastik: was stimmt und was nicht
Das ist der Punkt, an dem in Deutschland die meisten Zweifel entstehen, und der in Werbetexten meist mit einem grünen Siegel überdeckt wird. Hier die Sachlage, so weit wir sie belegen können.
Was die EU beschlossen hat. Die Verordnung (EU) 2023/2055 vom 25. September 2023 beschränkt absichtlich zugesetztes Mikroplastik und ist am 17. Oktober 2023 in Kraft getreten. Für granulares Füllmaterial auf synthetischen Sportflächen gilt eine Übergangsfrist von acht Jahren: Ab dem 17. Oktober 2031 darf es nicht mehr in Verkehr gebracht werden. Bestehende Plätze dürfen weiter betrieben und in der Übergangszeit nachgefüllt werden.
Worum es dabei geht. Gemeint ist das Gummi- oder Kunststoffgranulat, das auf Fußball- und Sportplätzen zwischen die Halme eingestreut wird, damit der Ball richtig springt und der Untergrund federt. Dieses Granulat wird durch Schuhe, Regen und Wind aus der Fläche ausgetragen. Dort liegt das dokumentierte Problem.
Was das mit unseren Produkten zu tun hat: nichts. Unsere Gartenqualitäten werden ohne Sandfüllung und ohne Granulateinstreu verlegt; auf den Musterkarten steht dazu ausdrücklich „Kunstrasen ohne Sandfüllung“. Bei zwei Sportqualitäten ist eine Sandfüllung optional. Sand ist kein Kunststoff und fällt nicht unter die Beschränkung. Der Kunstrasen selbst, also die Faser, ist von der Verordnung ohnehin nicht betroffen.
Was wir nicht wissen. Durch Abrieb der Fasern entsteht über die Nutzungsdauer Materialabtrag. Belastbare Zahlen dazu, wie viel das bei einer privaten Gartenfläche ist, liegen uns nicht vor. Die veröffentlichten Untersuchungen befassen sich mit Sportplätzen und deren Einstreu. Wir nennen hier deshalb keine Menge. Dass Abrieb entsteht, ist unstrittig; wie viel, können wir nicht seriös beziffern.
Entsorgung nach zehn bis fünfzehn Jahren
Kunstrasen gehört nicht in den Grünschnitt. Er ist Kunststoff, meist Polyethylen und Polypropylen auf einem Trägergewebe.
Für Privatmengen fragen Sie beim örtlichen Wertstoffhof nach. Die Regeln unterscheiden sich je nach Kommune, und eine allgemeingültige Aussage dazu gibt es nicht.
Für größere Flächen hat sich in den letzten Jahren etwas bewegt: In Deutschland gibt es inzwischen spezialisierte Betriebe, die Kunstrasen in seine Bestandteile trennen und die Kunststoffe zurückgewinnen. Dieses Angebot richtet sich bisher vor allem an Sportplätze, und die Trennung wird schwieriger, je stärker das Material mit Sand, Granulat oder Kleberesten verunreinigt ist.
Für Sie heißt das praktisch: Vollflächige Verklebung erschwert das spätere Recycling. Wer nur Ränder und Nähte verklebt, macht sich die Entsorgung in fünfzehn Jahren leichter. Mehr dazu auf Kunstrasen entsorgen.
Für wen es sich lohnt
Ja, wenn: die Fläche im Schatten liegt, klein ist, täglich betreten wird, ein Hund darauf läuft, oder wenn es um Balkon, Terrasse und Dachterrasse geht.
Eher nicht, wenn: die Fläche sehr groß ist, Beete und Rasen ineinander übergehen sollen, oder wenn Ihnen der Garten auch als Lebensraum wichtig ist.
Die häufigste gute Antwort ist eine Teilfläche. Der stark genutzte Bereich bekommt Kunstrasen, der Rest bleibt Wiese. So sparen Sie die Arbeit dort, wo sie anfällt, ohne den ganzen Garten zu versiegeln.
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Häufige Fragen
Was sind die größten Vorteile von Kunstrasen?
Kein Mähen, kein Wässern, kein Düngen, und die Fläche bleibt das ganze Jahr grün und begehbar, auch im Schatten und bei Regen. Für einen Naturrasen von 100 m² fallen dagegen pro Sommersaison grob 30.000 bis 40.000 Liter Wasser und 15 bis 25 Mähgänge an.
Was sind die größten Nachteile von Kunstrasen?
Er wird in direkter Sonne deutlich heißer als Naturrasen, er bietet keinen Lebensraum für Bodenleben, und nach zehn bis fünfzehn Jahren muss er als Kunststoff entsorgt werden. Dazu kommt der höhere Anschaffungspreis.
Wie heiß wird Kunstrasen in der Sonne?
In Feldmessungen wurden auf herkömmlichem Kunstrasen bei direkter Sonne über 60 °C an der Oberfläche gemessen, während Naturrasen daneben bei rund 35 °C blieb. Wie stark es wird, hängt von Farbe, Florhöhe und Wetter ab. Kurzes Abspritzen kühlt sofort, Schatten löst es dauerhaft.
Setzt Kunstrasen Mikroplastik frei?
Durch Abrieb der Fasern über die Nutzungsdauer entsteht Materialabtrag. Belastbare Zahlen dazu liegen uns für Gartenflächen nicht vor, deshalb nennen wir hier keine. Die bekannten Untersuchungen und die EU-Regulierung beziehen sich auf eingestreutes Granulat auf Sportplätzen. Das ist ein anderes Produkt als unsere Gartenqualitäten, die ohne Sandfüllung verlegt werden.
Wird Kunstrasen in der EU verboten?
Nein. Die Verordnung (EU) 2023/2055 vom 25. September 2023 beschränkt absichtlich zugesetztes Mikroplastik. Für granulares Füllmaterial auf synthetischen Sportflächen gilt eine Übergangsfrist von acht Jahren; ab dem 17. Oktober 2031 darf es nicht mehr in Verkehr gebracht werden. Der Kunstrasen selbst ist davon nicht betroffen, und Gartenqualitäten ohne Einstreu ebenfalls nicht.
Wie wird Kunstrasen entsorgt?
Nicht über den Grünschnitt: Es ist Kunststoff. Für Privatmengen fragen Sie beim örtlichen Wertstoffhof nach; die Regeln unterscheiden sich je nach Kommune. Inzwischen gibt es in Deutschland spezialisierte Recyclingbetriebe, die Kunstrasen in seine Bestandteile trennen; deren Angebot richtet sich bisher aber vor allem an Sportplätze.
Für wen lohnt sich Kunstrasen nicht?
Für große Flächen, weil die Anschaffung dann schnell vierstellig wird. Für Gärten, in denen Beete und Rasen fließend ineinander übergehen sollen. Und für alle, denen der Garten auch als Lebensraum wichtig ist. Dort ist eine Teilfläche die bessere Lösung als eine vollständige Umstellung.



